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LABORATOIRE VILLAGE NOMADE AU LAC DE NEUCHÂTEL SUISSE



Das Laboratoire Village Nomade ist ein Ort für künstlerische, kulturelle und soziale Aktivitäten. Wir laden Künstler ein mit uns zu leben und zu arbeiten, um kreativen Austausch in gemeinschaftlichem Zusammenhang entstehen zu lassen, und aus den Begegnungen gemeinsame wie individuelle Arbeiten zu fördern, zu ermöglichen.

Die stark von Natur geprägte Umgebung von La Corbiere ist anregend für experimentelle Versuche und ermöglicht neue Erfahrungen jenseits der Ateliers. Das Projekt versteht sich als nomadischer Ort geprägt von permanenter Veränderung, die durch die jeweiligen Projekte und die Unterschiedlichkeit der anwesenden Künstler bewirkt wird.

Nach den ersten beiden Jahren von Laboratoire Village Nomade setzen wir im Jahr 2008 den kulturellen Austausch unter dem Motto „In zweihundertvierzehn Welten um den Tag“ fort. Eingeladen sind internationale Institutionen und einzelne Künstler, deren Arbeit wir fördern - darüber hinaus sind wir mit der Fortsetzung eigener Projekte in den Bereichen Film, Musik, Installation, Hörspiel und Fotografie beschäftigt. Im Verlauf des Jahres werden mehrere Kunstprojekte und öffentliche Veranstaltungen stattfinden mit dem Ziel eines direkteren und intensiveren Austauschs.

Ayako Mogi, Juliette Forster, Marion Neumann, Res Balzli, Isamu Krieger und Werner Penzel sind als jourparjour cie verantwortlich für den Ort und die Projekte, die stattfinden.





LABORATOIRE VILLAGE NOMADE 2007
7 Monate Laboratorium Kultur Vom 1. Mai bis 30. November 2007 steht die Villa La Corbière bei Estavayer-le-Lac zum zweiten Mal für sieben Monate dem Kulturschaffen der deutschen, welschen und italienischen Schweiz in einem internationalen Kontext zur Verfügung. Als Ort der Gegenwartskultur bietet das Laboratoire Village Nomade einen interdisziplinären Forschungsraum für Menschen, die aktuelle gesellschaftliche und kulturelle Wahrnehmungen hinterfragen. Dabei beschränkt sich das Kulturlabor nicht auf ein festgelegtes Ziel. Es ist das Resultat der Einzelabsichten, der Begegnungen, des Austauschs und der Netzwerke der Teilnehmenden. Diese Konzentration auf den Entwicklungsprozess schafft ein Umfeld der Offenheit, das neben der Inspiration durch Improvisation und Zufall auch das Zusammenwirken von Unerklärbarem und Widersprüchlichem zulässt und ist unsere Einladung an die Teilnehmenden, Impulse zu setzen für die Weiterentwicklung zeitgenössischen Kunstschaffens über die Abgrenzung zwischen den einzelnen Bereichen hinaus.

Zu La Corbière gehören:

· Wohn-, Arbeits- und Restaurationsflächen von 530 m²
· ein Park mit altem Baumbestand von 2100 m²
· Weideland, Gemüse- und Obstgarten
· ein über Treppe oder Boot zu erreichendes, bewaldetes und mit einer großen   Lichtung versehenes Naturschutzgebiet von 26000 m² mit einem Seehäuschen   und Privatstrand.

a place for the unknown

Putting ourselves into an unknown situation makes us fearful but it also gives us power. The Unknown stimulates our curiosity and encourages us to expand our experience of life. Nevertheless, we are frightened and cautious so we usually try and avoid any kind of unknown situation. But if we just follow our accustomed plans and our own fixed rules we often miss many chances to feel the world’s reality. And so we become bored, or even sick in both mind and body. This seems to be a very common situation in our society.

But, in truth, even our everyday lives are full of the unknown.
All creatures live in this unknown mother ocean, so why should we not accept it for ourselves? Since there is no way out, we might as well be positive about it. But positive acceptance of the unknown takes energy and a strong mind. The human mind is a complex and chaotic ruin: full of cracked walls and heaps of dust. Cleaning up this house requires continuous practice.

Laboratoire village nomade is a place to think about our situation and engage in a dialogue: through art, by living in close contact with nature, by listening without preconceptions, by having a conversation with the unexpected, by accepting the differences between each individual and learning to take all this as an inspiration, by living together in a flexible way.
There are many ways we can practice.
We welcome people from all over the world to come to this meeting point and take part in this experiment.

We want to open our windows.

We all need a lot of fresh air.

Ayako Mogi


Laboratoire Village Nomade 2006 – ein Rückblick

Vom 1. Mai bis 30. November 2006 fand auf dem Gelände der Domaine de la Corbière bei Estavayer-le-Lac die erste Phase einer interkulturellen Begegnungsarbeit statt.
Beteiligt waren 158 Künstler und Kulturschaffende aller Altersgruppen aus der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz, aus Frankreich, Deutschland, Japan, Österreich, England, Israel, Südkorea, den Niederlanden und Ägypten.
In der aus künstlerischer Kreativität und sozialem Zusammenleben entstandenen Atmosphäre sind nicht nur eine vielfältige Reihe von Einzelwerken aus den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Theater, Musik und Film entstanden die, inspiriert von gegenseitigem Austausch und alltäglichem Miteinander, zu neuen Formen fanden – darüber hinaus entwickelten sich auf spontane Weise und in ungezwungenem Austausch auch gemeinsame Arbeiten.


Laboratoire Village Nomade 2007 – ein Ausblick


Aufgrund des starken Interesses aller Beteiligten nach einer Vertiefung und Verlängerung des Austauschs sowie der grossen Zahl an neuen Anfragen hat die das Projekt tragende „jourparjour cie“ gemeinsam mit der unterstützenden „Fondation Pays des merveilles“ beschlossen, eine weitere siebenmonatige Phase interdisziplinärer kultureller Arbeit zu beginnen – aufbauend auf den Erfahrungen des vergangenen Jahres.Überzeugt von der existentiellen Notwendigkeit die Entwicklungen und Veränderungen im Zusammenleben der Menschen angesichts einer rapide fortschreitenden Globalisierung und einer von den Massenmedien zunehmend forcierten Gleichschaltung kultureller Inhalte und Ausdrucksformen nicht nur marktwirtschaftlich ausgerichteten Interessen zu überlassen, will das Projekt „Laboratoire Village Nomade“ mit seinen bescheidenen Möglichkeiten versuchen, neue Ausblicke zu finden – im Bewusstsein, dass aus dem besseren Verständnis und dem Austausch zwischen allen kulturellen Traditionen unser eigentlicher Reichtum besteht.


how to listen?

Warum streben wir so sehr nach Individualität und handeln als wären wir unabhängig obwohl wir tatsächlich alle miteinander verbunden und voneinander abhängig sind?

Wie können wir die zeitgenössische Kunst und das gegenwärtige Leben davon befreien zwischen Geschäftsinteressen, Event und Unterhaltung stecken zu bleiben?

Was heisst es mutig zu sein in der gegenwärtigen Situation?

Was ist menschlich? Was ist möglich?




Trägerschaft Die Trägerschaft des Laboratoire Village Nomade bilden:

Ayako Mogi, 1969, Fotografin und Filmemacherin aus Tokio, Japan
ayako.mogi@jourparjour.net

Juliette Forster, 1980, Audiovisuelle Künstlerin, Schweiz
info@jourparjour.net

Marion Neumann, 1977, Filmemacherin aus München, Deutschland
marion.neumann@jourparjour.net

Christoph Balmer
, 1964, Kulturmanager aus Bern, Schweiz
christoph.balmer@jourparjour.net

Res Balzli, 1952, Filmproduzent und Hotelier aus Bulle, Schweiz
res.balzli@jourparjour.net

Iwan Schauwecker, 1980, Praktikant, Schweiz
info@jourparjour.net

Werner Penzel, 1950, Filmemacher aus München, Deutschland
werner.penzel@jourparjour.net


Unter dem Namen jourparjour cie trägt dieses Siebnergespann die Konzeption und Realisation. Die Compagnie bestimmt durch die Auswahl der ersten Eingeladenen den Ausgangspunkt des Projekts und fördert dessen Verselbständigung.




éphémère und einmalig Eine Reihe glücklicher Umstände...

Einer nomadischen Mongolenfamilie entflieht ein Pferd.
Welch ein Unglück!
Drei Tage später kommt es zurück mit einem neuen Freund, einem Wildpferd.
Welch ein Glück!
Der Sohn reitet es ein, stürzt und bricht sich ein Bein.
Welch ein Unglück!
Drei Tage später treten Armeeangehörige in die Jurte. Für den Krieg rekrutieren sie alle jungen Männer, ausser solche mit gebrochenem Bein.
Welch ein Glück!

Eine Reihe glücklicher Umstände hat dazu verholfen, dass die Stiftung „Wunderland“ / Fondation „Pays des Merveilles“ die Liegenschaft „La Corbière“ per 1.1.2006 erwerben konnte. Eine längere Reihe weniger glücklicher Umstände hat dazu geführt, dass der ehemalige Landsitz der Comtesse de Pourtalès, dann Gärtnerinnenschule für Töchter aus gutem Haus, später Internat für Söhne des katholischen Glaubens, seit zehn Jahren leersteht.

Kann ich es unter dieser Umstandsreihe verantworten, ein neues Kapitel der vorwiegend leidvollen Geschichte dieses Hauses zu schreiben, indem ich unbekümmert ein Wohnprojekt dauerhaften Charakters in dieselben Mauern einquartiere? Ich glaube eher, es brauche einen Unterbruch, damit der zweite Band dieses Ortes verfasst werden kann.

Zum Zweck einer Zäsur habe ich mit der momentanen Bewohnerin der Corbière, der Familie Penzel-Mogi, die seit August 2005 im Zirkuswagen im Park haust, unter Beizug des Kulturmanagers Christoph Balmer aus Bern die jour par jour compagnie 2006 formiert. Sie soll die Auszeit, welche die Liegenschaft verdient, mit frischen Energien versehen.

Was wäre dazu geeigneter als die Kunst? Kunst ist, den Zufall zu bändigen, den Kreis zu quadrieren, oder einfacher ausgedrückt, in einem runden Zimmer in eine Ecke zu pinkeln. Wohlan, das wollen wir ausprobieren! Das Reizvolle am Versuch La Corbière village nomade ist seine Vergänglichkeit und Einmaligkeit. Er verbindet eigennützige Absichten aller Beteiligten mit gemeinnützigem Austausch, an dem auch Aussenstehende teilhaben können.

Res Balzli, Stiftung Wunderland / Fondation Pays des Merveilles




Ich stelle mir vor: Man kommt irgendwoher und will irgendwohin und man kann sich nicht verhehlen, dass die Verhältnisse, in denen man sich vorfindet, unübersichtlich, also waldartig sind. Man hat sich verirrt, ein Gefühl, das heutzutage der Normalzustand ist. Man beginnt nach einer Lichtung zu suchen.

Da gibt es nun die Möglichkeit, nach Ursprüngen zu suchen, nach dem wahren Selbst, nach einem Punkt, wo der falsche Weg begann. Die Gefahr: Man verirrt sich nach rückwärts oder nach innen. Dann gibt es die Möglichkeit: Geradeaus marschieren, um dort anzukommen, wo man glaubt hinzugehören: Wachstum, Fortschritt. Die Gefahr: Man verirrt sich nach vorwärts oder nach aussen.

Die Gelassenheit des Abstandhaltens setzt die Einsicht voraus, dass die Geschichte insgesamt auf kein Ziel hinsteuert, das in einer ominösen Zukunft erreicht wird. Geschichte ist keine Fahrt, bei der man unterwegs, wie bei der Eisenbahn, den Anschluss verpassen könnte. Die Geschichte ist immer schon angekommen, in jedem Augenblick ist sie am Ziel. Und was die langfristigen Pläne und Vorhaben betrifft, wird man immer darauf gefasst sein müssen, dass es anders kommt als man denkt.

Im Gestrüpp der Geschichten gibt es keine unabgelenkte Realisierung eines Planes. Geschichte ist das von keinem so beabsichtigte Resultat zahlloser Einzelabsichten, die sich kreuzen, verschlingen, ablenken. Deshalb gibt es auch nur ein Handeln im Handgemenge mit beschränkten Aussichten, ein Gemisch aus Zufällen, Kompromissen, Irrsinn, Klugheit und Gewohnheit. Der Mensch, statt Geschichte zu machen, ist in Geschichten verstrickt, reagiert darauf, wodurch wieder neue Geschichten entstehen.

Geschichte ist das Gewimmel aus Geschichten und deshalb notorisch unübersichtlich. Hier eine Lichtung schlagen bedeutet, im Gewimmel der Geschichten die eigene Geschichte zu entdecken, energisch festhalten und ihren Faden fortspinnen im Bewusstsein, dass sich die eigene Geschichte doch im Gewirr der vielen Geschichten verstricken und am Ende verlieren wird.

In Safranski Klammer (aus „Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?“, erschienen im Hanser Verlag)




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