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LABORATOIRE VILLAGE
NOMADE AU LAC DE NEUCHÂTEL SUISSE
Das Laboratoire Village Nomade ist ein Ort für künstlerische, kulturelle und soziale Aktivitäten.
Wir laden Künstler ein mit uns zu leben und zu arbeiten, um kreativen Austausch in gemeinschaftlichem Zusammenhang entstehen zu lassen, und aus den Begegnungen gemeinsame wie individuelle Arbeiten zu fördern, zu ermöglichen.
Die stark von Natur geprägte Umgebung von La Corbiere ist anregend für experimentelle Versuche und ermöglicht neue Erfahrungen jenseits der Ateliers.
Das Projekt versteht sich als nomadischer Ort geprägt von permanenter Veränderung, die durch die jeweiligen Projekte und die Unterschiedlichkeit der anwesenden Künstler bewirkt wird.
Eingeladen sind internationale Institutionen und einzelne Künstler, deren Arbeit wir fördern - darüber hinaus sind wir mit der Fortsetzung eigener Projekte in den Bereichen Film, Musik, Installation, Hörspiel und Fotografie beschäftigt.
Im Verlauf des Jahres werden mehrere Kunstprojekte und öffentliche Veranstaltungen stattfinden mit dem Ziel eines direkteren und intensiveren Austauschs.
Ayako Mogi, Marion Neumann, Isamu Krieger und Werner Penzel
sind als jourparjour cie verantwortlich für den Ort und die Projekte, die stattfinden.
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| 7 Monate Laboratorium
Kultur |
Zu La Corbière gehören:
· Wohn-, Arbeits- und
Restaurationsflächen von 530 m²
· ein Park mit altem
Baumbestand von 2100 m²
· Weideland, Gemüse-
und Obstgarten
· ein über Treppe
oder Boot zu erreichendes, bewaldetes und mit einer großen
Lichtung versehenes Naturschutzgebiet von 26000 m²
mit einem Seehäuschen und Privatstrand.
a place for the unknown
Putting ourselves into an unknown situation makes us fearful but it
also gives us power. The Unknown stimulates our curiosity and encourages
us to expand our experience of life. Nevertheless, we are frightened
and cautious so we usually try and avoid any kind of unknown situation.
But if we just follow our accustomed plans and our own fixed rules
we often miss many chances to feel the world’s reality. And
so we become bored, or even sick in both mind and body. This seems
to be a very common situation in our society.
But, in truth, even our everyday lives are full of the unknown.
All creatures live in this unknown mother ocean, so why should we
not accept it for ourselves? Since there is no way out, we might as
well be positive about it. But positive acceptance of the unknown
takes energy and a strong mind. The human mind is a complex and chaotic
ruin: full of cracked walls and heaps of dust. Cleaning up this house
requires continuous practice.
Laboratoire village nomade is a place to think about our situation
and engage in a dialogue: through art, by living in close contact
with nature, by listening without preconceptions, by having a conversation
with the unexpected, by accepting the differences between each individual
and learning to take all this as an inspiration, by living together
in a flexible way.
There are many ways we can practice.
We welcome people from all over the world to come to this meeting
point and take part in this experiment.
We want to open our windows.
We all need a lot of fresh air.
Ayako Mogi
how
to listen?
Warum streben wir so sehr nach Individualität und handeln als
wären wir unabhängig obwohl wir tatsächlich alle miteinander
verbunden und voneinander abhängig sind?
Wie können wir die zeitgenössische Kunst und das gegenwärtige
Leben davon befreien zwischen Geschäftsinteressen, Event und
Unterhaltung stecken zu bleiben?
Was heisst es mutig zu sein in der gegenwärtigen Situation?
Was ist menschlich? Was ist möglich?
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Trägerschaft
jourparjour cie. >> |
Die Trägerschaft des Laboratoire
Village Nomade bilden:
Ayako Mogi,
1969, Fotografin und Filmemacherin aus Tokio, Japan
ayako.mogi@jourparjour.net
Marion Neumann, 1977, Filmemacherin
aus München, Deutschland
marion.neumann@jourparjour.net
Res Balzli, 1952, Filmproduzent
und Hotelier aus Bulle, Schweiz
res.balzli@jourparjour.net
Isamu Krieger , 1974, Künstler, Genf, Schweiz
isamuk_ch@yahoo.com
Werner Penzel, 1950, Filmemacher aus München,
Deutschland
werner.penzel@jourparjour.net
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| éphémère
und einmalig |
Eine Reihe glücklicher Umstände...
Einer nomadischen Mongolenfamilie entflieht ein Pferd.
Welch ein Unglück!
Drei Tage später kommt es zurück mit einem neuen Freund,
einem Wildpferd.
Welch ein Glück!
Der Sohn reitet es ein, stürzt und bricht sich ein Bein.
Welch ein Unglück!
Drei Tage später treten Armeeangehörige in die Jurte. Für
den Krieg rekrutieren sie alle jungen Männer, ausser solche mit
gebrochenem Bein.
Welch ein Glück!
Eine Reihe glücklicher Umstände hat dazu verholfen, dass
die Stiftung „Wunderland“ / Fondation „Pays des Merveilles“ die Liegenschaft
„La Corbière“ per 1.1.2006 erwerben konnte. Eine längere
Reihe weniger glücklicher Umstände hat dazu geführt,
dass der ehemalige Landsitz der Comtesse de Pourtalès, dann
Gärtnerinnenschule für Töchter aus gutem Haus, später
Internat für Söhne des katholischen Glaubens, seit zehn
Jahren leersteht.
Kann ich es unter dieser Umstandsreihe verantworten, ein neues Kapitel
der vorwiegend leidvollen Geschichte dieses Hauses zu schreiben, indem
ich unbekümmert ein Wohnprojekt dauerhaften Charakters in dieselben
Mauern einquartiere? Ich glaube eher, es brauche einen Unterbruch,
damit der zweite Band dieses Ortes verfasst werden kann.
Was wäre dazu geeigneter als die Kunst? Kunst ist, den Zufall
zu bändigen, den Kreis zu quadrieren, oder einfacher ausgedrückt,
in einem runden Zimmer in eine Ecke zu pinkeln. Wohlan, das wollen
wir ausprobieren! Das Reizvolle am Versuch La
Corbière village nomade ist seine Vergänglichkeit
und Einmaligkeit. Er verbindet eigennützige Absichten aller Beteiligten
mit gemeinnützigem Austausch, an dem auch Aussenstehende teilhaben
können.
Res Balzli, Stiftung Wunderland / Fondation Pays des Merveilles
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| Ich stelle mir vor: |
Man kommt irgendwoher und will irgendwohin und man kann sich nicht
verhehlen, dass die Verhältnisse, in denen man sich vorfindet,
unübersichtlich, also waldartig sind. Man hat sich verirrt, ein
Gefühl, das heutzutage der Normalzustand ist. Man beginnt nach
einer Lichtung zu suchen.
Da gibt es nun die Möglichkeit, nach Ursprüngen zu suchen,
nach dem wahren Selbst, nach einem Punkt, wo der falsche Weg begann.
Die Gefahr: Man verirrt sich nach rückwärts oder nach innen.
Dann gibt es die Möglichkeit: Geradeaus marschieren, um dort
anzukommen, wo man glaubt hinzugehören: Wachstum, Fortschritt.
Die Gefahr: Man verirrt sich nach vorwärts oder nach aussen.
Die Gelassenheit des Abstandhaltens setzt die Einsicht voraus, dass
die Geschichte insgesamt auf kein Ziel hinsteuert, das in einer ominösen
Zukunft erreicht wird. Geschichte ist keine Fahrt, bei der man unterwegs,
wie bei der Eisenbahn, den Anschluss verpassen könnte. Die Geschichte
ist immer schon angekommen, in jedem Augenblick ist sie am Ziel. Und
was die langfristigen Pläne und Vorhaben betrifft, wird man immer
darauf gefasst sein müssen, dass es anders kommt als man denkt.
Im Gestrüpp der Geschichten gibt es keine unabgelenkte Realisierung
eines Planes. Geschichte ist das von keinem so beabsichtigte Resultat
zahlloser Einzelabsichten, die sich kreuzen, verschlingen, ablenken.
Deshalb gibt es auch nur ein Handeln im Handgemenge mit beschränkten
Aussichten, ein Gemisch aus Zufällen, Kompromissen, Irrsinn,
Klugheit und Gewohnheit. Der Mensch, statt Geschichte zu machen, ist
in Geschichten verstrickt, reagiert darauf, wodurch wieder neue Geschichten
entstehen.
Geschichte ist das Gewimmel aus Geschichten und deshalb notorisch
unübersichtlich. Hier eine Lichtung schlagen bedeutet, im Gewimmel
der Geschichten die eigene Geschichte zu entdecken, energisch festhalten
und ihren Faden fortspinnen im Bewusstsein, dass sich die eigene Geschichte
doch im Gewirr der vielen Geschichten verstricken und am Ende verlieren
wird.
In Safranski Klammer (aus „Wieviel Globalisierung verträgt der
Mensch?“, erschienen im Hanser Verlag)
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